Vitalpilze

Judasohr: Der Pilz mit der dunklen Geschichte

Judasohr

Es gibt ein Wesen im Wald, das eine Geschichte trägt, die bis in die dunkelste Nacht der Bibel reicht. Es wächst am Holunder, braun und weich, und seine Form erinnert an ein Ohr. Wer ihm zum ersten Mal begegnet, hält es oft für ein Stück Rinde, für einen Schatten am Stamm, für etwas, das nicht lebt. Und dann neigst du den Kopf und es schaut zurück.

Die Nacht am Holunder

Sein deutscher Name ist Judasohr. Eine alte Sage erzählt, dass Judas Ischariot sich nach dem Verrat an Jesus an einem Holunderbaum das Leben nahm. Die Bibel nennt diesen Baum nicht, und sie erzählt zwei unterschiedliche Überlieferungen vom Ende des Judas. Aus dem Baum, so wird erzählt, wuchs fortan ein Pilz in der Form eines Ohres. Das Ohr des Verräters, der die Botschaft gehört und doch verraten hatte.

So bekam der Pilz seinen Namen. Auricularia auricula-judae, das Ohr des Judas. Er wächst noch heute am häufigsten am Holunder, dem Baum, an dem die alte Geschichte spielt. Ein stiller Zeuge, der seit Jahrhunderten am Stamm hängt und an eine Nacht erinnert, die die Welt verändert hat.

Wir finden es schön, dass der Wald auch solche Namen bewahrt. Ein Wort aus einer fernen Zeit hängt an einem Stamm wie eine Erinnerung, dunkel und feucht, und wächst Jahr für Jahr weiter. Für uns ist er längst kein Verräter mehr, sondern ein Ohr, das zuhört. Ein Wesen, das am Holz hängt, wenn der Regen fällt, und die Stille des Holunders in sich aufnimmt.

Viele Namen

Der Pilz, den China und Japan als Mu-Err oder Holzohr kennen, ist nach heutigem Kenntnisstand nicht dieselbe Art wie unser europäisches Judasohr. Die asiatische Kulturart heißt wissenschaftlich Auricularia heimuer. Verwandt sind sie, identisch nicht. Dort, in der Küche Ostasiens, ist dieses Holzohr seit Jahrhunderten ein geschätzter Speisepilz mit festem Platz in vielen Gerichten. Unsere Produktbezeichnung Auricularia-Extrakt (Judasohr / Mu-Err) folgt dem Handelssprachgebrauch. Im Handel kursieren viele Namen, weil dort mehrere nah verwandte Arten unter denselben Bezeichnungen laufen, Black Fungus, Holunderpilz, Wolkenohrenpilz. Kein Fluch also, sondern Wertschätzung.

Und noch einen Namen hat er bekommen. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie hat ihn 2017 zum Pilz des Jahres gekürt. So kam ein Wesen ins Licht, das die meisten übersehen, weil es still ist und weil es sich am Stamm versteckt. Genau darin liegt sein Reiz.

Ein Ohr für die Stille

Wenn wir ehrlich sind, ist das mit dem Ohr mehr als eine Form. Ein Pilz, der lauscht, während der Wald erzählt. Der Holunder blüht, verliert seine Blätter, steht im Nebel, und das Ohr ist da. Es wächst dort, wo der Baum noch lebt und wo das Alte langsam weich wird. Zwischen dem, was war, und dem, was kommt, hängt es am Stamm und hört zu.

Vielleicht ist das die schönste Art, von einem Pilz zu lernen. Erst hinhören, dann wachsen.

Was in einem Namen steckt

Ein Name ist ein kleines Denkmal. Diesen hier trägt der Pilz seit Jahrhunderten, und er erzählt von einer Nacht, von Schuld, von Reue und von einem Baum, der trotzdem weitergemacht hat. Der Wald fragt nicht, wer schuldig ist. Er wächst einfach, dort wo etwas alt und weich wird, und er hängt seinen Wesen Namen an, die wir weitertragen, ob wir wollen oder nicht.

So trägt dieser Name zwei Gesichter. Im Abendland das Ohr des Verräters, im Osten das Holzohr in der Küche. Zwei nah verwandte Arten, ein Name, der in zwei Welten zu Hause ist und in beiden geblieben ist.

Unser Judasohr

Bei Greenplantern begegnet dir das Judasohr als Extrakt, gewonnen aus dem Fruchtkörper, in Handarbeit aufbereitet, ohne chemisch-synthetische Zusätze. Aus dem, was du am Stamm sehen würdest, ist so ein Schätzchen geworden, das du mit nach Hause nehmen kannst.

Ein Pilz, der eine Geschichte trägt, und jetzt auch ein Teil deiner Rituale sein kann. Am Ende bleibt ein Wesen, das aussieht wie ein Ohr, weil es das Zuhören schon immer in seiner Gestalt trägt.

Auricularia-Extrakt

Auricularia-Extrakt (Judasohr / Mu-Err)

Aus dem Fruchtkörper, in Handarbeit aufbereitet, ohne chemisch-synthetische Zusätze.

Zum Schätzchen