Fliegenpilz

Der Fliegenpilz: König des Waldes und Licht der Erde

Fliegenpilz

Es gibt ein Bild, das jeder kennt, noch bevor er je einen Wald betreten hat. Ein roter Hut, weiße Punkte, im dunklen Moos. Der Fliegenpilz ist das Urbild des Pilzes überhaupt, das Wesen aus den Märchen, der König des Waldes.

Der Glückspilz

Man nennt ihn nicht umsonst so. Das Wort Glückspilz kommt von ihm. Wer in alten Zeiten einen Fliegenpilz fand, der hatte Glück, sagten die Menschen. Sein rotes, weiß gepunktetes Bild wurde zum Glückssymbol schlechthin, auf Postkarten, auf Neujahrswünschen, in den Märchen der Kinder. Und wer bis heute Glück hat, trägt seinen Namen. Ein Glückspilz.

Auch bei uns ist er genau das. Ein Glückspilz, ein Glücksbringer, ein Wesen, dem man begegnet, wenn einem das Glück wohlgesonnen ist. Dass Katharina ihren Kanal nach ihm benannt hat, ist kein Zufall. Wer ihn findet, hat den Wald auf seiner Seite.

Der König des Waldes

Auch in den Weiten Sibiriens begegnet uns der Fliegenpilz. In der schamanischen Tradition des Nordens gilt er seit jeher als ein Wesen mit eigenem Willen, als ein König unter den Pilzen. Die Schamanen der sibirischen Völker kannten ihn und ehrten ihn in ihren Ritualen. Aus dieser Linie stammt der Name, den wir ihm bei Greenplantern geben: der König des Waldes.

Der Hüter der Schwelle

Und dann ist da noch die Geschichte seines Werdens. Im Verborgenen, unter dem Moos, wächst zuerst ein feines Netz, das Myzel, unsichtbar und still. Dann schiebt sich der Stiel ins Licht, das Rot entfaltet sich, und zuletzt steht er da, der volle Pilz, mit weißen Punkten wie ein Stück Himmel. Ein Wesen zwischen Erde und Licht, ein Hüter der Schwelle.

Das Licht der Erde

Tief im Regenwald von Chiapas, im Südosten Mexikos, lebt ein kleines Maya-Volk, das sich selbst Hach Winik nennt, die wahren Menschen. Die Lakandonen sind die letzten Nachfahren der alten Maya. Für sie ist der Wald ein ganzer Kosmos, und die Seele eines Baumes gleicht der eines Menschen.

Und für den Fliegenpilz haben sie einen Namen, der wie ein Gebet klingt: äh kib lu’um, das Licht der Erde. In anderen Maya-Dialekten trägt er einen zweiten Namen, Kukulja, der Donner. Wenn sein roter Hut aus dem dunklen Moos bricht, leuchtet er im Schatten der Bäume wie ein kleines stilles Feuer.

In den Kirchen des Mittelalters

Und dann ist da noch ein Rätsel, das bis heute die Kunsthistoriker beschäftigt. In der Kapelle von Plaincourault in Frankreich, erbaut im 12. Jahrhundert, hängt ein Fresko, das den Garten Eden zeigt. Zwischen Adam und Eva steht ein Baum. Sein Stamm ist rot, seine Krone trägt weiße Punkte, wie ein riesiger Pilzhut. Manche sehen darin den Baum der Erkenntnis. Andere sehen einen Fliegenpilz.

Fresko in der Kapelle von Plaincourault

Fresko in der Kapelle von Plaincourault (Frankreich, 12. Jahrhundert). Foto: Araniko, Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 4.0.

Ob das Fresko wirklich einen Pilz zeigt, ist bis heute umstritten. Die Gelehrten sind uneins. Aber die Frage selbst erzählt etwas: Der Fliegenpilz war den Menschen so nah, dass man ihn selbst im Paradies vermutete. Er taucht in mittelalterlichen Handschriften auf, in der Volkskunst, in den Bildern, die die Menschen sich machten. Ein rotes Wesen mit weißen Punkten, das nicht vergessen werden wollte.

Das verschwundene Wissen

Mit der Christianisierung verschwand vieles. Die alten Bräuche, die den Pilz verehrten, wurden verdrängt, verteufelt, vergessen. Was nicht in die neue Ordnung passte, wurde still. Und so geriet das Wissen um den Fliegenpilz, seine Tradition, seine Rolle als Glücksbringer, in Vergessenheit. Übrig blieb nur sein Bild. Das ließ sich nicht verbieten.

Der Mann in Rot und Weiß

Es gibt eine These, die den Fliegenpilz mit dem Weihnachtsmann verbindet. In Sibirien trockneten die Schamanen die Pilze über dem Feuer, hängten sie zum Trocknen auf die Zweige der Tannen, wie Christbaumschmuck. Sie kamen, so erzählt man, auf Rentierschlitten aus dem Schnee, trugen rot-weiße Gewänder. Die Farben des Fliegenpilzes. Ob das die Wurzel des Weihnachtsmanns ist, weiß niemand sicher. Aber die Ähnlichkeit ist verblüffend, und sie zeigt, wie tief dieser Pilz in unsere Bilderwelt eingedrungen ist.

Unser Fliegenpilz

Bei Greenplantern begegnet dir der Fliegenpilz als Räucherwerk. Wir verräuchern ihn, wir verzehren ihn nicht. Ein stiller Gruß an den König, ein Stück des Lichtes der Erde, das deinen Raum erfüllt, wenn du ihm einen Moment schenkst.

Fliegenpilz Räucherwerk

Räucherwerk Amanita muscaria

Ein stiller Gruß an den König des Waldes, zum Verräuchern.

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333 Königswasser Amanita Muscaria

333 Königswasser

Das Königswasser, in dem der König des Waldes seine Kraft zeigt.

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